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ERSTE HILFE AN BORD
Notfallhilfe auf See

 


SEEKRANKHEIT:

Das häufigste Gesundheitsproblem auf Yachten ist wohl die Seekrankheit, welche vom vegetativen Nervensystem ausgelöst wird. Die typischen Symptome sind Brechreiz, Schwindel, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Blässe, Konzentrationsschwäche, etc.

Ob und wann jemand Seekrank wird, hängt freilich von der körperlichen Verfassung, der geistigen Einstellung (wenn man schon mit einem unguten Gefühl an Bord geht, sind die besten Voraussetzungen bereits gegeben) und natürlich von Wind & Wetter (Wellengang) ab.

Wenn man den Eindruck hat bald Seekrank zu werden helfen oft folgende Tipps:

  • Längere Aufenthalte unter Deck vermeiden.
  • Augen nicht an Personen oder Objekten fixieren - insbesondere nicht lesen!
  • Aktiv bleiben, jedoch keine anstrengenden Tätigkeiten verüben.
  • Möglichst nicht an Seekrankheit denken oder darüber reden.
  • Sich mit den Schiffsbewegungen harmonisieren.
  • Nur leichte Kost und keinen Alkohol zu sich nehmen.
  • Langsam und tief atmen - keinesfalls Hyperventilieren!

Ein bewährtes Mittel Seekrankheit ohne Medikamente zu vermeiden, soll die "Sipahi-Methode" sein, welche vom Eigentümer der deutschen Firma Boss Yachtcharter, Dipl.Ing. Sipahi, in Anti-Seekranheits-Trainings angeboten wird und eine 90%-ige Erfolgsquote verspricht.

VERLETZUNGEN:

Gerade auf See sollte der Ersten Hilfe größte Bedeutung zugemessen werden, da es sehr lange dauern kann, bis ärztliche Hilfe herbeigeholt werden kann. Im nachfolgenden beschreiben wir Maßnahmen für die häufigsten Verletzungen, die an Bord einer Yacht auftreten können - die praktischen Übungen eines Erste Hilfe Kurses sind nicht zu ersetzen, wir empfehlen Ihnen daher den Besuch eines solchen Kurses!

BEWUSSTLOSIGKEIT:

Bewusstlosigkeit besteht dann, wenn ein Mensch auf Ansprechen, Berühren, Schmerzreize nicht situationsgerecht reagiert, Atmung und Kreislauf aber erhalten sind.

Mögliche Ursachen:

Schädel-Hirnverletzungen / Gehirnerschütterung / Gehirnquetschung / Einatmung giftiger Gase / Sonnenstich / Epilepsie / Zuckerkrankheit / Schlaganfall und ähnliches.

Erkennung:

Reglosen Betroffenen ansprechen, berühren, Schmerzreize zufügen - reagiert der Patient nicht, kann von einer Bewusstlosigkeit ausgegangen werden.

Maßnahmen:

Atemwege freimachen (obere Luftwege) durch:

  • Öffnen beengender Kleidungsstücke / Prüfung der Mundhöhle und Entfernen von Erbrochenem, Blut, Schleim, ev. vorhandene Zahnprotesen - Kopf hierbei seitlich drehen.

  • Überstrecken des Kopfs nackenwärts, um die eventuell zurückgesunkene Zunge hochzuheben und somit freie Atmung zu ermöglichen.

Überstrecken

Atemkontrolle:

Hören auf Ein- und Ausatemgeräusche, schauen auf Brustkorbbewegungen, fühlen der Ausatemluft - der Helfer hält seine Wange und sein Ohr zum Mund des Verletzten.

Atemtest

Erste Hilfe:

Freihalten der Atemwege durch die stabile Seitenlagerung - der Helfer legt den ihm näherliegenden Arm des Bewusstlosen seitlich, dann erfasst er den gegenüberliegenden Arm am Handgelenk und das gegenüberliegende Bein in der Kniekehle, winkelt das Bein ab, sodaß Arm und Bein mit dem Körper ein stabiles Dreieck bilden.
Nun wird der Bewusstlose vorsichtig in die Seitenlage gedreht. Anschließend wird der Kopf des Patienten nackenwärts überstreckt und das Gesicht dem Boden zugewandt, damit die Zunge die Atemwege nicht verlegt und Blut, Schleim oder Erbrochenes nach außen abfließen kann - so rasch wie möglich ärztliche Hilfe herbeiholen!

 

ATEMSTILLSTAND:

Atemstillstand besteht, wenn ein Mensch auf äußere Reize nicht situationsgerecht reagiert und wenn trotz freier Atemwege keine Atmung, wohl aber ein intakter Kreislauf feststellbar ist. Bei Atemstillstand kann das Atemzentrum die für die Aufrechterhaltung der Atmung notwendigen Impulse nicht mehr bilden bzw. die Impulse die Atemmuskulatur nicht mehr erreichen.

Ursachen:

  • Zustände, die zur Bewusstlosigkeit führen, können auch in einen Atemstillstand übergehen.

  • Verlegung der Atemwege bei Bewusstlosen (Fremdkörper, Erbrochenes, Zunge usw.)

  • Verlegung der Atemwege durch Schwellungen (Insektenstich o.ä.)

  • Ertrinken

Erste Hilfe:

Fehlende Atmung durch künstliche Beatmung ersetzen:

  • Schutzauflage (z.B. Stofftaschentuch) über Mund und Nase des Patienten legen.

  • Der Helfer kniet neben dem Verletzten, verschließt mit Daumen und Zeigefinger die Nase und überstreckt den Kopf nackenwärts.

  • Der Helfer bläst seine Ausatemluft über den leicht geöffneten Mund dem Patienten ein - nach dem Einblasen ist das Ausströmen der Luft aus der Lunge des Verletzten zu kontrollieren!

Dieser Vorgang ist bei Erwachsenen ca. 15 mal pro Minute zu wiederholen, was einem natürlichen Atemrhythmus des Helfers entspricht. Weiters ist der Kreislauf in kurzen Abständen zu kontrollieren!

Der Patient ist so lange zu beatmen, bis die Eigenatmung einsetzt bzw. professionelle Hilfe eintrifft.

Beatumung

 

KREISLAUFSTILLSTAND:

Kreislaufstillstand besteht, wenn der Betroffene auf äußere Reize nicht situationsgerecht reagiert und weder Atmung noch Kreislauf feststellbar ist!

Ursachen:

  • Herzrhythmusstörungen

  • massiver Blutverlust

  • Unterkühlung

  • allergischer Schock u.a.

Erste Hilfe:

Fehlende Atmung durch künstliche Beatmung, und fehlender Kreislauf durch Herzmassage ersetzen:

  • Den Patient auf eine harte, unnachgiebige Unterlage legen.

  • Der Helfer kniet seitlich vom Patienten und legt den Handballen einer Hand auf den Anfang der unteren Hälfte des Brustbeins (Druckpunkt) auf, ohne mit den Fingern den Brustkorb zu berühren, der Handballen der anderen Hand wird darübergelegt.

  • Bei gestreckten Armen wird nun ein so starker Druck senkrecht auf das Brustbein ausgeübt, dass dieses ca. 3 bis 4 cm niedergedrückt wird. Die Herzmassage sollte nicht stoßartig, sondern rhythmisch (eine gleichmäßige Be- und Entlastung des Brustkorbes) durchgeführt werden - die Hände dürfen dabei nie abgehoben werden!

  • Die Herzmassage ist gleichmäßig in einer Frequenz von etwa 80-100 Mal pro Minute durchzuführen.

Merke: 2 x Beatmung / 30 x Herzmassage

Die Kreislaufkontrolle sollte jeweils nach einer Minute erfolgen - ist der Halsschlagaderpuls weiterhin nicht tastbar, müssen Beatmung und Herzmassage weiter durchgeführt werden. Setzt der Puls ein, die Beatmung jedoch nicht, ist die künstliche Beatmung weiter durchzuführen und der Kreislauf regelmäßig zu kontrollieren!

Massage      Herzmassage

DIE RICHTIGE DURCHFÜHRUNG DER BEATMUNG UND DER HERZMASSAGE
MUSS KORREKT ERLERNT UND GEÜBT WERDEN!

 

STARKE BLUTUNG:

Unter Blutung versteht man das Austreten von Blut aus Blutgefäßen - es gibt äußere (aus Wunden) und innere Blutungen. Nur bei äußeren Blutungen ist eine Stillung möglich! Durch Blutungen können Kreislauffunktionsstörungen hervorgerufen werden.

Erste Hilfe:

Die Blutstillung ist eine wichtige lebensrettende Maßnahme. Für die Stillung ist nicht die Art der Blutung, sondern die Stärke und somit der Blutverlust entscheidend. Beinahe jede sichtbare, starke Blutung lässt sich durch genügend starken Druck von außen auf die Blutungsstelle stillen.

Blutstillung durch Fingerdruck:

  • Verletzten niedersetzen oder niederlegen

  • keimfreie Wundauflage auf die stark blutende Wunde pressen

  • Fingerdruck bis zum Eintreffen der Rettung beibehalten.

Blutstillung durch Druckverband:

Nur dort wo die Körperform es zulässt (etwa Arm oder Bein), wenn geeignetes Verbandsmaterial zur Verfügung steht und der Ersthelfer das Anlegen eines Druckverbandes erlernt und geübt hat, sollte der Fingerdruck durch einen Druckverband ersetzt werden!

  • Verletzten niedersetzen oder niederlegen

  • keimfreie Wundauflage auf die stark blutende Wunde legen

  • Druckkörper auflegen

  • Mittels einer Binde (etwa Dreiecktuch) Druck auf die Wunde ausüben

Hochhalten bzw. hochlagern verstärkt die Wirkung des Druckverbandes. Bei weiterer starker Blutung ist ein zweiter Druckverband darüber zu legen und/oder Fingerdruck auszuüben. Die Wirkung des Verbandes muss ständig kontrolliert werden!

Blutstillung durch Abbindung:

Die Abbindung ist eine Maßnahme, die nur dann durchgeführt werden darf, wenn die Blutstillung durch andere Methoden nicht möglich ist - dies ist der Fall bei:

  • Abtrennung einer Gliedmaße

  • Verletzung der Oberschenkelarterie

  • Einklemmung einer Gliedmaße

  • ausgedehnten, zerfetzten Wunden an Arm oder Bein

Eine Abbindung darf nur mit breitem, schonendem Material (etwa Dreiecktuch) durchgeführt werden!

Abbinden am Oberarm:

Arm hochhalten, Dreiecktuch als Schlaufe um die Mitte des Oberarms (niemals in Gelenknähe!) legen, Enden rasch und schonend auseinanderziehen und unter Beibehaltung des Zugs um den Arm verknoten. Dadurch wird der Arm blutleer und die Blutung kommt zum Stillstand.

Abbinden am Oberschenkel:

Dreiecktuch locker um den Oberschenkel knoten, einen Knebel zwischen Bein und Tuch schieben, Knebel vorsichtig anheben und drehen, bis die Blutung steht. Knebel in dieser Stellung fixieren.

* Wunde keimfrei verbinden und vor direkter Kälteeinwirkung, Nässe oder Hitze schützen!

** Wenn bei Einklemmung oder ausgedehnten Wunden das Eintreffen der Rettung sich verzögert, kann die Abbindung nach einer halben Stunde vorsichtig gelockert werden - blutet die Wunde weiter, muss neuerlich abgebunden werden! Ist die Blutung zum Stillstand gekommen, ist weiteres Abbinden nicht mehr notwendig. Verletzter Arm oder Bein bleibt weiter hochgelagert und wird beobachtet.

*** Bei abgetrennten Gliedmaßen oder Verletzungen der Oberschenkelarterie darf die Abbindung bis zum Eintreffen im Krankenhaus nicht mehr geöffnet werden!

Weiters ist Schockbekämpfung durchzuführen, der Transport ins Krankenhaus zu veranlassen und dem Arzt der Zeitpunkt der Abbindung mitzuteilen!

 

SCHOCK:

Jede schwere Verletzung führt zu einem Schockzustand, welcher unbedingt behandelt werden muss, da Schock zu einer Kreislaufstörung führen und somit lebensbedrohlich sein kann! Es ist daher dringend notwendig, bei jedem Verletzten bis zum Eintreffen der Rettung eine Schockbekämpfung durchzuführen - auch wenn vorerst keine Anzeichen eines Schockzustandes zu erkennen sind!

Erkennung:

  • Teilnahmslosigkeit oder im Gegenteil eine auffallende Unruhe

  • stark beschleunigter, schlecht tastbarer Puls

  • Blässe und feuchte, kalte Haut

  • Muskelzittern

Gefahren:

Wird der Schock lebensbedrohlich, so bekommt der Schockierte ein verfallenes Aussehen und wird zunehmend teilnahmslos. Das Bewusstsein ist getrübt, der Puls am Handgelenk ist nicht mehr tastbar und schließlich treten Bewusstlosigkeit, Störung der Atmung (Schnappatmung) und im schlimmsten Fall der Tod durch Kreislaufversagen ein.

Erste Hilfe:

Die Schockbekämpfung zielt darauf ab, die lebenswichtigen Funktionen (Atmung, Kreislauf) zu begünstigen und aufrecht zu erhalten durch:

  • rasche, exakte Blutstillung

  • Wundversorgung

  • Leben des Verletzten auf eine Decke

  • Lagerung - dem Zustand des Verletzten entsprechend und möglichst schmerzfrei (z.B. flache Rückenlage mit Hochlagerung der Beine, Lagerung mit erhöhtem Oberkörper usw.)

  • Zudecken des Verletzten

  • Frischluftzufuhr in geschlossenen Räumen

  • Anhalten des Verletzten zu tiefer, langsamer Atmung

  • Sorgen für Ruhe

  • guten Zuspruch und Beruhigen

  • Kontrolle des Bewusstseins, Atmung und Kreislauf

 

WUNDEN:

Neben Blutverlust ist die Infektionsgefahr ein wichtiger Grund, eine Wunde fachgerecht zu versorgen. Infektionen können durch Eiter- und/oder Tetanuserreger entstehen, insbesondere dann, wenn die Wunde verschmutzt wurde. Nach einer Verletzung sollte in jedem Fall eine Tetanusimpfung verabreicht werden!

Erste Hilfe:

  • den Verletzten hinsetzen oder hinlegen

  • eventuelle Fremdkörper in der Wunde belassen

  • Ruhigstellung des verletzten Körperteiles

  • Wunde keimfrei verbinden, dabei die Wunde nicht berühren, keine Reinigung oder Desinfektion vornehmen und keine Salben, Puder oder Hausmittel verwenden. (Ausnahme Tierbisse und Verbrennungen)

  • Arzt oder Krankenhaus aufsuchen

Verbrennungen:

  • eventuelle Kleidungstücke rasch entfernen, jedoch bereits eingebrannte Kleidungsreste nicht losreißen!

  • der verbrannte Körperteil muss zur Schockbekämpfung, Dämpfung der Hitze und Schmerzlinderung möglichst unter reines, fließendes, kaltes Wasser gehalten werden bis der Schmerz nachlässt. Wichtig: Bei großflächigen Verbrennungen soll die Kaltwasseranwendung nur bei intaktem Kreislauf erfolgen!

  • Keimfreie Bedeckung der Brandwunden mit Brandwundpäckchen, Brandwundtüchern, Metalline-Tüchern oder notfalls mit frischen Leintüchern.

  • Weiter Schockbekämpfung, Arzt oder Krankenhaus aufsuchen!

 

UNTERKÜHLUNG:

Als Unterkühlung bezeichnet man das Absinken der Körpertemperatur unter 36° C. Beim Unterkühlen wird die Durchblutung der äußeren Körperschichten infolge der Kälteeinwirkung immer geringer und der Kreislauf wird nur noch im Körperinneren aufrechterhalten.

Erste Hilfe:

  • Den Unterkühlten aufwecken bzw. wachhalten

  • In Ruhelage belassen, weder bewegen noch gehen lassen

  • In wärmende Decken und Kleidungsstücke einwickeln

  • Ständig Atmung und Kreislauf kontrollieren

  • Transport ins Krankenhaus veranlassen

Ist der Abtransport in absehbarer Zeit nicht möglich:

  • Den Unterkühlten möglichst an einen windstillen Ort oder in einen warmen Raum bringen.

  • Kalte, nasse Kleidung entfernen und den Patienten in angewärmte Decken hüllen.

  • Den Unterkühlten nicht massieren oder frottieren - ev. warme trockene Umschläge auf Brust, Bauch od. Nacken.

  • Heiße Getränke verabreichen - jedoch keinen Alkohol!

HITZSCHLAG:

Wenn ein Mensch, dessen Wärmeregulation beeinträchtigt ist, längere Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt wird, kann ein Hitzschlag die Folge sein. Die Symptome sind heiße, trockene und rote Haut, Kopfschmerzen, Übelkeit, hohe Temperatur und eventuell Bewusstlosigkeit.

Erste Hilfe:

  • Betroffenen an einen kühlen, schattigen Platz bringen.

  • Durch Öffnen der Bekleidung und mit kalten Umschlägen den Patienten abkühlen.

  • Ständig Atmung und Kreislauf kontrollieren.

  • Arzt oder Krankenhaus aufsuchen!

 

 

Wie bereits erwähnt, kann unsere Beschreibung zur Behandlung der häufigsten Verletzungen
keine Erste-Hilfe-Schulung ersetzen - als verantwortungsbewusster Skipper sollten Sie
daher auf jedem Fall einen entsprechenden Kurs besuchen und Ihr Wissen immer wieder auffrischen!

 

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