Erste Hilfe an Bord

Erste Hilfe auf See - Tipps für den Seenotfall

Erste Hilfe an Bord

Da an Bord (genauso wie auf Land) schnell jemand erkranken oder sich verletzen kann, ist es sehr wichtig, mit der Ersten Hilfe vertraut zu sein. Immerhin dauert es auf dem Wasser außerdem meistens doch recht lange, bis professionelle Hilfe eintrifft. Somit sollte jeder Skipper zumindest einen Erste Hilfe Kurs besucht haben, hier werden nur die häufigsten Notfälle beschrieben. Diese Kurse kann man bei sämtlichen Rettungsorganisationen (z.B. beim Roten Kreuz) absolvieren.

Anmerkung: Die Erste Hilfe ist nicht Teil der Küstenpatent Prüfung am Hafenamt!

Regloser Notfallpatient:

Atmung Kontrollieren

Sollte ein Crewmitglied reglos aufgefunden werden, muss vorerst überprüft werden, ob Bewusstsein und Atmung (Lebensfunktionen) vorhanden sind, bevor man eine Notfalldiagnose stellen kann.

Man nähert sich der Person so, dass Sie diese sehen könnte. Nach dem Eintreffen erfolgt die Bewusstseinskontrolle. Hierbei spricht man die reglose Person an, berührt sie an den Händen oder Unterarmen und schüttelt sie leicht an den Schulten.


Sollte die Person nicht reagieren, liegt zumindest die Notfallsituation „Bewusstlosigkeit“ vor. Nun muss noch die Atmung kontrolliert werden.

Sollten die Atemwege unübersehbar verlegt sein, muss man die Verlegung beseitigen. Sollte eine Verlegung der Atemwege aber nicht offensichtlich sein, entfällt die Kontrolle der Mundhöhle bezüglich einer Verlegung. Sofort danach kontrolliert man die Atmung, indem man den Kopf zuerst gerade richtet und dann leicht überstreckt (eine Hand an der Stirn, die andere am Kinn) und beugt sich (mit Blick in Richtung Oberkörper) über den Kopf des Reglosen.

In Folge sollte man höchstens 10 Sekunden „Sehen-Hören-Fühlen“. Wenn man keine Atmung fühlt, sich die Brust bzw. der Bauch nicht hebt und senkt und man keine Atemgeräusche hört, liegt ein Atem-Kreislaufstillstand vor.

Mögliche Notfalldiagnosen sind somit:

  • Bewusstlosigkeit: Atmung vorhanden, jedoch kein Bewusstsein.
  • Atem-Kreislauf-Stillstand: Weder Atmung noch Bewusstsein sind vorhanden.
  • (ein reiner Atemstillstand mit normalem Kreislauf wird nicht mehr differenziert behandelt, da sehr selten und kaum erkennbar ' man geht wie beim Atem-Kreislauf-Stillstand vor!)

Bewusstlosigkeit:

Stabile Seitenlage

Die Person muss in die stabile Seitenlage gedreht werden. Dadurch wird ein Ausfließen von Erbrochenen oder Blut etc. ermöglicht, weiters kann die Zunge nicht zurücksinken und die Atemwege verlegen.

Der Helfer legt den ihm näherliegenden Arm des Bewusstlosen im 90° Winkel seitlich weg. Danach nimmt er den anderen Arm am Handgelenk und das Bein der gleichen Seite bei der Kniekehle und führt diese zusammen, sodass ein Dreieck entsteht.

Ab dann kann der Bewusstlose in Richtung des Helfers gedreht und danach der Kopf wieder leicht überstreckt werden. Alle 2 Minuten sind Atemkontrollen durchzuführen, ärztliche Hilfe ist unbedingt nötig.

Ursachen einer Bewusstlosigkeit sind vielfältig (von Sturz auf Kopf bis zu Schlaganfall etc.) und sind hier nicht zu erheben, da sie oft nicht erkannt werden können.

Atem-Kreislauf-Stillstand:

Es muss eine Herzdruckmassage mit Beatmung durchgeführt werden. Zusätzlich so schnell wie möglich ärztliche Hilfe anfordern! Für die Herzdruckmassage werden die Hände übereinander auf dem Brustbein zwischen den Brustwarzen aufgelegt, man beginnt mit zirka 5 bis 6 cm tiefen Kompressionen (bei Kindern und Säuglingen je nach Alter natürlich weniger) mit einer Frequenz von mindestens 100 solcher Kompressionen in der Minute.

Hierbei sollte auf jeden Fall auf die gleichmäßige Be- und Entlastung geachtet werden. Nach 30 Kompressionen werden üblicherweise 2 Beatmungen erfolgen. Hierzu ist der Kopf zu überstrecken, man legt den Mund auf den des Patienten und bläst 2 Mal zirka 1 Sekunde Luft hinein.

Hierbei ist zu beachten, dass man ein Beatmungstuch verwenden sollte und den Kopf genügend überstreckt. Weiters ist die Nase zuzuhalten. Die Beatmung darf laut neuer Lehrmeinung (2011) auch entfallen, wenn es nicht leicht möglich ist, den Patienten zu beatmen oder wenn man sich die Beatmung nicht zutraut.

In diesen Fällen ist durchgehend die Herzdruckmassage anzuwenden. Sollte ein Defibrillator vorhanden sein, ist dieser unbedingt zu verwenden. Sobald man einen solchen üblichen halbautomatischen Defi startet, erklärt dieser alle weiteren Schritte selbst (er redet mit Ihnen).

Herzmassage Herzmassage zu zweit Kopf vor der Beatmung überstrecken Beatmung

DIE RICHTIGE DURCHFÜHRUNG DER BEATMUNG UND DER HERZMASSAGE MUSS KORREKT ERLERNT UND GEÜBT WERDEN!

Starke Blutung:

Bei Durchtrennung bzw. Verletzung kann es zu starken, aber auch leichten Blutungen kommen. Weiters können diese äußerlich sein (sind somit sichtbar und auch von einem Ersthelfer behandelbar) oder innere Blutungen sein.

In solchen Fällen ist ein Behandeln nicht möglich, der Verletzte muss dringend ein ärztliche Behandlung. Um eine starke äußere Blutung zu stoppen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Wichtig ist primär das Hochhalten des betroffenen Körperteiles. Danach kann mittels Fingerdruck auf die blutende Stelle (natürlich ist dazu eine Wundauflage bzw. Kompresse zu verwenden) die Blutung gestoppt werden. Wenn genug Verbandsmaterial zu Verfügung ist, ist ein Druckverband vorzuziehen.

Hierbei legt man eine Kompresse auf die Wunde, wickelt danach eine Mullbinde ein bis zwei Mal darüber, legt einen geeigneten Druckkörper darauf (z.B. zusammengelegtes Dreieckstuch) und wickelt nachher die Mullbinde weiter herum.

Eine andere Möglichkeit eines Druckverbandes ist mit einem Dreieckstuch, diese Methode ist jedoch um einiges komplizierter und sollte vor allem in einem Erste Hilfe Kurs geübt werden. Wichtig ist, dass man nicht abbindet, d.h. der Druckverband sollte nicht zu eng sein.

Abgebunden wird nur mehr in Ausnahmesituationen, zum Beispiel bei Amputation oder Zerfetzung eines Körperteiles.

Die zwei Stellen, an welchen abgebunden werden kann, sind am Oberschenkel bzw. Oberarm. An allen anderen Stellen ist Abbinden aufgrund der tief liegenden Aterien nicht sinnvoll.

Abgebunden wird vor allem mit einen Dreiecktuch. Am Oberarm wird dieses in eine Schlaufe über den Arm gelegt, die Enden auseinander gezogen und verknotet. Am Oberschenkel muss zusätzlich ein Knebel verwendet werden (das Dreiecktuch wird vorher sehr locker um das Bein verknotet). Dann durch Drehen des Knebels (z.B. Holzstab) das Dreiecktuch einengen. Ist die Blutung zum Stillstand gekommen, wird der Knebel mit einem weiteren Dreiecktuch am Bein befestigt.

Schock:

Der Schock entspricht einer Kreislaufstörung, der aus unterschiedlichen Gründen hervorgerufen werden kann. Generell hat der Kreislauf die Aufgabe, den Körper (also alle wichtigen Organe etc.) mit Blut, in welchem Sauerstoff angelagert ist, zu versorgen.

Bei Störungen dieser Kreislauffunktion, das können starke Verletzungen, Verbrennungen, Vergiftungen, Herzbeschwerden und ähnliches sein, kommt es zu einer Minderversorgung der Organe. Dies kann sich so weiterentwickeln, dass die betroffenen Organe ausfallen und dies zum Tod führt.

Jedoch ist der Schock keine Sofortreaktion, der steigert sich allmählich und kann somit durch eine fachgerechte Schockbekämpfung recht gut bekämpft werden.

Erkennbar ist ein beginnender Schock vor allem an der Teilnahmelosigkeit (Ruhe) der Person, möglicherweise tritt Muskelzittern auf. In fortgeschrittenen Stadien des Schocks wird die Haut kaltschweißig und immer blässer, durch die Minderdurchblutung auch kühl.

Die Schockbekämpfung ist primär auch für einen Laien durchaus zu vollziehen, sie reicht von der richtigen Blutstillung über die Wundversorgung (beispielsweise bei Verbrennungen) bis zum Beruhigen des Notfallpatienten.

Hierzu zählt auch das Öffnen beengender Kleidung, das Zudecken des Patienten und möglicherweise durch Frischluftzufuhr. Extrem wichtig ist jedoch die richtige Lagerung: So gibt es für die verschiedenen Verletzungsbilder verschiedene Lagerungen. Man sollte aber unbedingt auch auf die Wünsche der betroffenen Person eingehen. Die wichtigsten Lagerungen werden in Folge beschrieben:

  • Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen wird der Patient möglichst flach am Rücken gelagert.
  • Bei Kopfverletzungen ebenfalls Lagerung am Rücken, jedoch mit leichten Erhöhten Oberkörper bzw. Kopf.
  • Sollte der Patient starke Schwierigkeiten beim Atmen haben, bzw. Verdacht auf einen Herzinfarkt vorliegen, ist dieser möglichst aufrecht hinzusetzen. Somit wird die Lunge bzw. das Herz bestmöglich entlastet.
  • Bei starken Blutungen wird der betroffene Körperteil hochgehalten bzw. gelagert, weiters Beine hochlagern und Kopf tief lagern. So fließt genügend Blut in den Kopf, Schwindel- bzw. Ohnmachtsgefühl wird verringert.
  • Sollten Bauchverletzungen bzw. starke Schmerzen im Bauch vorliegen kann der Patient auf die Seite gelegt werden, aber auch auf den Rücken mit leicht angezogen Beinen. Somit wird die Bauchdecke entspannt.
  • (Bei all den genannten Lagerungen muss der Patient bei Bewusstsein sein, ansonsten wird unabhängig der Verletzung bzw. Erkrankung in die stabile Seitenlage gedreht!)

Unterkühlung:

Man spricht von einer Unterkühlung, sobald die Körpertemperatur unter 36°C gesunken ist. Sollte man einen unterkühlten, nassen Menschen auffinden, ist dieser sofort ins Trockene zu bringen.

Wichtig ist, dass sich der Patient jedoch nicht mehr bewegt wird! Sobald er im Trockenen ist, ist die nasse Kleidung auszuziehen, der Mensch zuzudecken. Hierbei können ruhig mehrere Decken verwendet werden, den Patienten jedoch auf keinen Fall massieren bzw. trocken reiben.

In Folge warme Getränke verabreichen (keinen Alkohol) und den Patienten durch Zureden etc. wach halten. Er soll auf keinen Fall einschlafen.

Hitzeschlag:

Ist ein Mensch viel zu lange in der Hitze bzw. Sonne, so kann er einen Hitzeschlag erleiden. Symptome für diesen sind anhaltende Übelkeit, meist trockene, heiße und rote Haut, zusätzlich starke Kopfschmerzen. Es kann jedoch auch die Notfallsituation Bewusstlosigkeit eintreten.

Sollte der Patient nicht bewusstlos sein, ist dieser an einen möglichst kühlen, schattigen Platz zu bringen, weiters möglicherweise beengende Kleidung öffnen.

Möglicherweise Beine hochlagern, um den Kreislauf halbwegs stabil zu halten. Wichtig ist jedoch, dass der Patient nicht mehr großflächig gekühlt wird, die Gefahr einer Unterkühlung wird oft unterschätzt. Wie bei allen vorher beschriebenen Notfallsituationen ist natürlich ein Arzt zu Rate zu ziehen.

SEEKRANKHEIT:

Das häufigste Gesundheitsproblem auf Yachten ist wohl die Seekrankheit, welche vom vegetativen Nervensystem ausgelöst wird. Die typischen Symptome sind Brechreiz, Schwindel, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Blässe, Konzentrationsschwäche, etc.

Ob und wann jemand Seekrank wird, hängt freilich von der körperlichen Verfassung, der geistigen Einstellung (wenn man schon mit einem unguten Gefühl an Bord geht, sind die besten Voraussetzungen bereits gegeben) und natürlich von Wind & Wetter (Wellengang) ab.

Wenn man den Eindruck hat bald Seekrank zu werden helfen oft folgende Tipps:

  • Längere Aufenthalte unter Deck vermeiden.
  • Augen nicht an Personen oder Objekten fixieren - insbesondere nicht lesen!
  • Aktiv bleiben, jedoch keine anstrengenden Tätigkeiten verüben.
  • Möglichst nicht an Seekrankheit denken oder darüber reden.
  • Sich mit den Schiffsbewegungen harmonisieren.
  • Nur leichte Kost zu sich nehmen.
  • Langsam und tief atmen - keinesfalls Hyperventilieren!
  • Alkohol und Nikotin vermeiden!

Notrufkanal und Telefonnummer in Kroatien:


NOTRUFKANAL AUF UKW: 16

TELEFONNUMMER FÜR SEENOTFÄLLE: +385 51 195

Anm.: Die o.g. Notruftelefonnr. kann auch ohne Vorwahl (+385 51) gewählt werden - also nur 195, wenn man im kroatischen Netz eingeloggt ist! (Kroatien verfügt übrigens über ein sehr gut ausgebautes Mobiltelefonnetz, welches auch auf bzw. bei den Inseln gut funktioniert)

Wichtige Information!

Wie bereits erwähnt, kann unsere Beschreibung zur Behandlung der häufigsten Verletzungen keine Erste-Hilfe-Schulung ersetzen - als verantwortungsbewusster Skipper sollten Sie daher auf jedem Fall einen entsprechenden Kurs besuchen und Ihr Wissen immer wieder auffrischen!

Die hier angeführten Erste-Hilfe Maßnahmen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dienen nur zur Orientierung. Änderungen und Irrtümer, insbesondere bei den Frequenzen zu Herzmassage/Beatmung, sind ausdrücklich vorbehalten!

Wir danken dem Sanitäter Thomas Habrich für die Zurverfügungstellung der o.g. Erste-Hilfe-Tipps!